Ethische Fragen & Entscheidungen der Digitalisierung

Unser Leben ist eine Aneinanderreihung von vielen kleinen Entscheidungen. 20.000 Entscheidungen sind es pro Tag. Die meisten davon treffen wir blitzschnell, in Sekundenbruchteilen. Manche brauchen etwas länger, sie reifen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, Entscheidungen zu treffen ist nicht immer ganz einfach. Wir wollen immer die eine richtige Entscheidung treffen. Und meistens tun wir das auch. Ganz gleich, ob es darum geht, welche Botschaften wir wann wo platzieren, welche*n Bewerber*in wir einstellen, was wir auf dem Heim-Weg einkaufen oder was, wir heute Abend essen. Wir treffen Entscheidungen aufgrund unserer Erfahrungen, aufgrund unserer Werte und aufgrund von Daten.
Szenen-Wechsel
Szene 1: Stell dir vor, du sitzt im Auto. Es ist ein modernes Auto. Du rast über die Autobahn. 160 Km/h, es ist eine deutsche Autobahn. Plötzlich blinkt ein rotes Licht auf, der Alarm geht los. Wenige Meter vor dir liegt ein Gegenstand auf der Fahrbahn. Die Anzeige sagt: „Umfahren“! Du reagierst blitzschnell, ziehst das Lenkrad auf die Seite, schleuderst von der Autobahn und wachst einige Tage später im Krankenhaus wieder auf. Das kleine Kind, das über die Autobahn gerannt ist, allerdings hat überlebt.
Szene 2: Stell dir vor, du sitzt im Auto. Es ist ein modernes Auto. Du rast über die Autobahn. 160 Km/h, es ist eine deutsche Autobahn. Plötzlich blinkt ein rotes Licht auf, der Alarm geht los. Wenige Meter vor dir liegt ein Gegenstand auf der Fahrbahn. Die Anzeige sagt: „Umfahren“! Das Auto reagiert blitzschnell und rast über den Gegenstand. Du hörst einen lauten Knall, das Auto ruckelt. Im Rückspiegel siehst du, dass der Luftballon zerplatzt ist, der auf der Autobahn lag.
So könnte es ablaufen. Es könnte aber auch ganz anders ablaufen. Und es könnte auch ganz anders ausgehen. Es könnten ganz andere Entscheidungen getroffen werden. Von dir. Von dem Auto.
Unser Leben ist eine Aneinanderreihung von vielen kleinen Entscheidungen. Wir treffen Entscheidungen aufgrund unserer Erfahrungen, aufgrund unserer Werte und aufgrund von Daten. Und bei vielen dieser Entscheidungen helfen uns heutzutage digitale Devices, Maschinen, Roboter, Algorithmen, KI. Doch wie entscheiden diese? Wie interpretieren diese zum Beispiel das eindeutig erscheinende Wort „Umfahren“? Ausweichen? Drüberrattern? Und hier sprechen wir noch gar nicht von dem Dilemma, in welchem sich Mensch und KI jedes mal dann befinden, wenn es darum geht weitreichende Entscheidungen, an denen verschiedene Leben hängen, gegeneinander abzuwägen.
Wir leben zu Beginn einer digitalen Ära. Wir dürfen keine Angst haben, vor dem, was kommt – so unbekannt es auch sein mag. Wir müssen aber sehr wohl verstehen, was (gerade und künftig) passiert. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was warum und wie funktioniert. Wir müssen fragen und diskutieren wie Entscheidungen gefällt werden. Und warum. Und wir müssen uns klar machen, dass wir selbst – egal wie wir uns verhalten – damit über die Zukunft entscheiden. Wir müssen uns auseinandersetzen mit unseren eigenen Erfahrungen, mit Werten, mit Daten.
Was soll der Mensch das autonome Auto umfahren? Und was soll es… umfahren? Und warum?
Widmen wir uns den ethischen Fragen der Digitalisierung, dann widmen wir uns auch den Antworten, wie Mensch, Technologie und KI zukünftig die Welt gemeinsam gestalten.
Im Idealfall: Zum Wohle aller.